“Die Entstehung einer Gedichtlegende”
Oktober 29, 2008 | kg |
Ist es nicht interessant, wie sich auch hier wieder der Bogen schließt?
Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen – echt famos!Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert. …
…
Es kursiert seit ca 3 Wochen (z.B. hier) dieses wunderbar pointierte Gedicht über die aktuellen Börsenphänomene, das aufgrund des Stils Kurt Tucholsky zugesprochen wird und auf 1930 datiert wird. (z.B. hier)
Anscheinend ist dies schein-wahr
Nach der Darstellung im Sudelblog wäre die Entstehung oder Inszenierung dieses Gerüchts durchaus auch ein Thema für dieses Seminar …
Schon die Tatsache, dass Tucholsky damals von Leerverkäufen und Derivaten schrieb, sollte einen arg stutzig machen. Vom Stil ganz abgesehen. Wohl auch deswegen gingen bei der Tucholsky-Gesellschaft schon mehrere Anfragen ein, ob dieses Gedicht tatsächlich von Tucholsky stamme. Diese Frage haben sich ebenfalls einige Leser im Niggemeier-Blog gestellt, wo das Gedicht bald aufgetaucht war. Und sie haben des Rätsels Lösung gefunden …
Kategorien: Info | Tags: börse, fake, Gerücht, shortselling
Kommentare
Ein Kommentar bis jetzt

…im GWK-Verteiler ist das ja auch rumgegeistert- zunächst mit Tucholskys Autorenschaft, später korrigiert. Der Autor bleibt aber anscheinend unbekannt.
Erstaunlich wie förderlich ein bekannter Name wirkt: Tucholsky- Gefühl von Qualität- damals schon über das Thema geschrieben- heutige Brisanz belegt.
Klassische Experten-Strategie?